Adorable blond child sitting on a swing with a parent in the background, in a park setting.

Wenn dein Kind komplett ausrastet: Was du jetzt tun kannst

A young woman in distress during a counseling session with her therapist indoors.

Dein Kind liegt auf dem Boden.

Es weint, es schreit, strampelt und tritt vielleicht sogar. Es scheint überhaupt nicht mehr erreichbar zu sein.

Du hast schon alles versucht. Du hast erklärt, beruhigt, geredet.

Inzwischen ist deine Geduld vielleicht am Ende.

Und irgendwann kommt dieser Gedanke:

„Was soll ich denn jetzt bitte machen?“

Wenn Kinder völlig außer sich geraten, fühlen sich Eltern oft genauso hilflos wie ihre Kinder. Besonders schwierig wird es, wenn man auch noch eine Grenze halten möchte.

Denn natürlich darf dein Kind wütend sein.

Aber es darf dich nicht hauen, treten, anschreien oder Dinge kaputt machen.

Die gute Nachricht: Du musst den Wutanfall nicht sofort beenden. Du musst dein Kind auch nicht davon überzeugen, dass es keinen Grund zum Weinen gibt.

Deine Aufgabe ist zunächst eine andere:

Sicherheit geben, Gefühle aushalten und die Grenze halten.

1. Erst einmal: Du musst den Wutanfall nicht „wegmachen“

Wenn dein Kind gerade mitten in einem Gefühlssturm steckt, dann bringen lange Reden und Erklärungen meist nicht das, was es in diesem Moment braucht.

Je größer das Gefühl, desto weniger Worte.

Ein ruhiger Satz kann mehr bewirken als ein fünfminütiger Vortrag.

Zum Beispiel:

„Du bist gerade richtig wütend.“

Oder:

„Du bist gerade richtig enttäuscht, weil du noch länger bleiben wolltest.

Oder einfach:

„Ich bin da.“

A joyful moment of a grandmother and grandson embracing and laughing outdoors.

2. Gefühle dürfen da sein – Grenzen bleiben trotzdem bestehen

Das ist vielleicht das Wichtigste überhaupt.

Ein Gefühl zu akzeptieren bedeutet nicht, jedes Verhalten zu erlauben.

Dein Kind darf wütend sein.

Es darf traurig sein.

Es darf enttäuscht sein.

Es darf sogar richtig sauer auf dich sein.

Aber:

Es darf dich nicht schlagen.

Es darf nicht beißen.

Es darf nicht absichtlich Dinge zerstören.

Du kannst deshalb beides gleichzeitig sagen:

„Du bist sehr wütend. Das darfst du sein. Ich lasse aber nicht zu, dass du mich haust.“

Oder:

„Du möchtest unbedingt noch auf dem Spielplatz bleiben. Ich weiß. Trotzdem gehen wir jetzt nach Hause.

Das klingt vielleicht zunächst etwas widersprüchlig.

Ist es aber nicht.

Du musst nicht gegen die Gefühle deines Kindes kämpfen. Du musst nur die Verantwortung für die Grenze übernehmen.

Adorable blond child sitting on a swing with a parent in the background, in a park setting.

3. Geh näher ran – statt lauter zu werden

Wenn dein Kind im Wohnzimmer schreit und du aus der Küche rufst:

„Jetzt hör endlich auf!“,

ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass die Situation sich nur verschlimmert.

Wenn es möglich ist, geh zu deinem Kind.

Geh auf Augenhöhe.

Mit ruhiger Stimme.

Und dann sag möglichst wenig.

Zum Beispiel:

„Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist. Ich bleibe bei dir.“

Du musst nicht sofort eine Lösung finden.

Manchmal ist deine ruhige Anwesenheit bereits der wichtige Beitrag, den dein Kind braucht.

4. Wenn dein Kind dich haut, greife ruhig und klar ein

Hier endet die Toleranz für das Verhalten.

Nicht für das Gefühl.

Wenn dein Kind dich schlägt, musst du das nicht aushalten.

Du kannst die Hand sanft abfangen oder Abstand schaffen und sagen:

„Ich lasse nicht zu, dass du mich schlägst!“

Mehr musst du in diesem Moment vielleicht gar nicht sagen.

Keine Drohung.

Keine Beschämung.

Kein:

„Was bist du denn für ein böses Kind?“

Denn dein Kind ist nicht „böse“, nur weil es gerade ein Verhalten zeigt, das nicht in Ordnung ist.

Verhalten kann eine Grenze brauchen, ohne dass das Kind als Person abgelehnt wird.

5. Du darfst trösten – ohne nachzugeben

Das ist ein Punkt, an dem viele Eltern unsicher sind.

„Wenn ich ihn/ sie jetzt tröste, dann denkt er/ sie ja, dass Schreien funktioniert.“

Aber Trost und Nachgeben sind zwei unterschiedliche Dinge.

Du kannst und darfst dein Kind in den Arm nehmen und trotzdem bei deiner Entscheidung bleiben.

Zum Beispiel:

„Ich weiß, dass du noch spielen möchtest..Du bist echt traurig. Ich bleibe bei dir. Aber wir gehen jetzt.“

Du vermittelst damit zwei Dinge gleichzeitig.

„Deine Gefühle sind bei mir sicher.“

und:

„Meine Grenze bleibt bestehen.“

Genau diese Kombination kann im Familienalltag unglaublich wertvoll sein.

A tender moment between a father and daughter sitting by the window, filled with love and comfort.

Und was ist mit: „Dann schreist du eben“?

Manchmal hört man den Rat:

„Ignorier den Wutanfall einfach.“

Das kann bei manchen Situationen sinnvoll sein, insbesondere wenn es darum geht, einem Kind nicht durch zusätzliche Aufmerksamkeit eine bestimmte Forderung zu erfüllen. Aber „ignorieren“ sollte nicht bedeuten, das Kind mit seinen großen Gefühlen allein zu lassen.

Wenn dein Kind sicher ist, kannst du ihm Raum geben.


Du kannst aber trotzdem vermitteln:

„Ich bin da. Wenn du wieder bereit bist, komme ich zu dir.“

Und wenn dein Kind deine Nähe möchte und diese Nähe für euch beide gut funktioniert, darfst du natürlich auch da sein.


Es gibt nicht den einen perfekten Satz und nicht die eine perfekte Reaktion für jedes Kind.

Hör auf dein Gefühl.

Was du versuchen solltest, zu vermeiden:

  • Lange Vorträge

Dein Kind braucht in diesem Moment keine ausführliche Erklärung.

  • Beschämung

„Alle anderen Kinder können das doch auch.“

„Was stimmt denn nicht mit dir?“

Solche Sätze lösen das eigentliche Problem nicht.

  • Mitten im Wutanfall verhandeln

Wenn du eine Grenze gesetzt hast, musst du sie nicht zehnmal neu diskutieren.

  • Selbst losschreien

Ja, leichter gesagt, als getan.

Aber in der Ruhe liegt die Kraft 😉

Wenn zwei Menschen aufgebracht sind, wird die Situation selten ruhiger.

Und falls du dich einmal laut wirst?

Dann bist du kein schlechter Elternteil.

Du kannst später sagen:

„Vorhin war ich selbst sehr wütend und habe laut gesprochen. Das war nicht okay. Es tut mir Leid. Wir versuchen es noch einmal.“

Auch das ist Beziehung.

Und danach?

Wenn der Sturm vorbei ist, ist nicht unbedingt der Moment für eine große Standpauke.

A tender moment captured between a mother and her daughter, emphasizing love and bonding.

Vielleicht ein Glas Wasser.

Vielleicht braucht dein Kind erstmal Nähe.

Vielleicht einfach Ruhe.

Später könnt ihr darüber sprechen:

„Was ist passiert?“

„Was hat dich so wütend gemacht?“

„Was können wir beim nächsten Mal versuchen?“

So wird aus einem schwierigen Moment nach und nach eine Gelegenheit, Gefühle und den Umgang mit ihnen zu lernen. Kinder entwickeln diese Fähigkeiten nicht auf einmal, sie brauchen viele Wiederholungen und Erwachsene, die ihnen dabei Orientierung geben.

Und jetzt interessiert mich: Wie ist es bei euch?

Was macht dein Kind, wenn es richtig wütend wird – und was hilft euch in solchen Momenten tatsächlich?

Schreib es gerne in die Kommentare. Vielleicht findet ein anderer Elternteil genau durch deinen Tipp eine Idee, die ihm im nächsten Wutanfall hilft. 🤍

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