Wenn „all inclusive“ auch „alles egal“ bedeutet

Über Werteerziehung, volle Teller und was wir unseren Kindern eigentlich vorleben
Es gibt Momente im Urlaub, da frage ich mich einfach, was wir unseren Kindern eigentlich mitgeben wollen.
Nicht nur mit unseren Worten. Sondern auch mit unserem Verhalten.
Wir sprechen über Dankbarkeit. Über Respekt. Darüber, dass Lebensmittel wertvoll sind und man nichts unnötig weg wirft. Wir ermahnen unsere Kinder sich nur so viel auf den Teller zu füllen, wie man auch essen kann und wir erklären ihnen, dass auf der anderen Seite der Welt Menschen hungern müssen.
Und dann stehen wir im Urlaub vor einem riesigen Buffet.
All inclusive. Alles da. Immer. Im Überfluss.
Wir beobachten Familien, die sich die Teller bis zum Rand füllen. Nur um es zu „haben“. Hier noch ein Löffel. Da noch ein Stück Fleisch. Hier noch ein ganzer Teller voller Küchlein und Kekse.
Letztlich wird es nicht aufgegegessen. Die Teller bleiben stehen. Noch immer randvoll. Und alles davon landet im Müll.
Ich habe das Gefühl, dass viele all inclusive Urlauber sich denken – „Ich habe doch dafür bezahlt.“

Ja.
Aber haben wir damit auch das Recht erworben, Lebensmittel zu verschwenden?
Nur, weil etwas im Reisepreis inbegriffen ist, wird es nicht wertlos.
Eim Stück Brot bleibt ein Stück Brot. Eine Tomate ist nicht weniger kostbar, weil sie auf einem Buffet kostenlos nachgenommen werden kann.
Hinter jedem Lebensmittel stehen Menschen, Arbeit, Wasser, Energie, Transport und Ressourcen.
Mich macht es traurig und gleichzeitig wütend diese Verschwendung mit anzusehen.
Nicht, weil ich glaube, dass Urlaub keinen Genuss haben darf. Ganz im Gegenteil.
Ich liebe Genuss.
Ich liebe es, im Urlaub Dinge zu kosten, die ich zu Hause nie kochen oder backen würde. Ich liebe ein schönes Frühstück, Mittagessen und vor allem Desserts in jeglicher Form. Und auch dieses wunderbare Gefühl, mal nicht dafür einkaufen, planen und kochen/ backen zu müssen.
Aber Genuss und Verschwendung sind für mich zwei unterschiedliche Dinge.
Was sehen unsere Kinder?

Das ist vermutlich genau der Punkt, bei dem Werteerziehung beginnt.
Nicht am Esstisch mit erhobenem Zeigefinger.
Sondern am eigenen Beispiel.
Kinder hören nicht nur, was wir sagen.
Sie beobachten, was wir tun.
Wenn wir zu Hause predigen, dass Essen nicht weg geworfen wird und aber im Urlaub selbstverständlich drei Teller pro Person genommen werden und halbvoll stehen gelassen werden – welche Botschaft kommt dann an?
Wenn wir sagen, dass man dankbar sein soll, für das, was man hat, aber gleichzeitig genervt sind, wenn das Buffet nicht jede Minute bis zum Rand gefüllt ist – was lernen unsere Kinder daraus?
Vielleicht zeigen wir unseren Kindern, dass „mehr“ nicht gleichzeitig „besser“ bedeutet.
Dass man nachnehmen kann, wenn man noch Hunger hat.
Dass man erst probiert, bevor man sich einen großen Teller vollmacht.
Und dass wir dankbar sein dürfen, für das, was uns zur Verfügung steht.
Werte gelten auch im Urlaub
Ich finde, Werteerziehung darf nicht an der Hoteltür enden.
Respekt gilt auch im Urlaub.
Dankbarkeit gilt auch im Urlaub.
Achtsamkeit gilt auch im Urlaub.
Und vielleicht gerade dort.
Denn im Urlaub befinden wir uns oft in einer Welt des Überflusses. Wir bekommen Dinge angeboten, die wir zu Hause nicht selbstverständlich haben. Essen rund um die Uhr. Getränke jederzeit. Handtücher täglich frisch. Klimaanlagen, Pools, Buffets.
Das ist schön.
Aber es kann auch dazu verführen, den Wert der Dinge aus den Augen zu verlieren.
Vielleicht ist es deshalb wichtig, unseren Kindern zu vermitteln:
Nur weil etwas verfügbar ist, müssen wir es nicht verschwenden.

Nur weil wir etwas bezahlen können, brauchen wir nicht mehr davon, als wir benötigen.
Und nur weil es „all inclusive“ heißt, bedeutet es nicht, dass alles grenzenlos sein muss.
Vielleicht beginnt Nachhaltigkeit mit einem kleinen Teller.
Ich wünsche mir keinen Urlaub ohne Buffet.
Auch keine Schuldgefühle beim Essen.
Einfach nur ein bisschen mehr Bewusstsein. Zu Liebe eurer Kinder.
Vielleicht nehmen wir zunächst eine kleine Portion und gehen lieber ein zweites Mal.
Vielleicht probieren wir etwas Neues, anstatt gleich eine riesige Portion davon auf den Teller zu füllen.
Und vielleicht fragen wir uns selbst gelegentlich:
Brauche ich das wirklich oder nehme ich es nur, weil es da ist?
Eine kleine Frage. Aber vermutlich eine Wichtige.
Denn Werte werden nicht dadurch weiter gegeben, dass wir sie unseren Kindern erklären.
Sie werden weitergegeben, dass wir sie leben.
Auch im Urlaub.
Auch am Buffet.
Und vielleicht gerade dort, wo „alles inklusive ist.“

Wie seht ihr das?
Wie erlebt ihr das Thema Lebensmittelverschwendung im Urlaub?
Wie geht ihr mit dem Thema um – und welche Werte möchtet ihr euren Kindern beim Thema Essen mitgeben?
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